Wo Fulda sich und Werra küssen …. entsteht durch diesen Kuss, deutsch bis zum Meer, der Weserfluss (Inschrift Weserstein Hann. Münden).


Die Weser bietet einiges an Abwechslung: die Oberweser (200 km bis Minden) zügig fliessend, lediglich eine Umtragungsstelle (Hameln). Dann die Mittelweser mit um so mehr Staustufen (6 bis Bremen), sehr viel Landschaft, Ruhe (und kaum Einkehrmöglichkeiten unterwegs), d.h. Paddeln „im Stau“, der bei Gegenwind einiges an Ausdauer verlangt. Die Unterweser, beginnend mit dem Weserwehr in Bremen dann schliesslich Tidengewässer mit einem Tidenhub von bis zu 4 m.


Wir, Andreas und Detlef vom KCL und Karin aus Krefeld) hatten Bremen zum Ziel, der „kulinarische Start“ fand vor dem historischen Rathaus in Hann. Münden am Sonntag, 16.8, statt. Die Übernachtung bei Busch Camping auf dem Tanzwerder (Halbinsel zwischen Fulda und Werra) bietet den Vorteil einer Einstiegsstelle unterhalb der Schleuse (neben der zentralen Lage und sicherer Abstellmöglichkeit für Autos).


Am Montag ging es nach Bad Karlshafen (Weser km 44,6), mit flotter Strömung kamen wir auf bis zu 9 km/h, vor dem Campingplatz noch eine kräftige Dusche auf dem Wasser, die Zelte konnten jedoch einigermassen trocken aufgebaut werden. Nach kurzem „Abwettern“ im Zelt, der Nachmittagsschlaf tat gut, besuchten wir den erst kürzlich fertiggestellten historischen Hafen in der Innenstadt, der über eine Schleuse von der Weser aus zugänglich ist und lernten in einem portugiesischen Restaurant  „Faustschlagkartoffeln“ kennen: Reisen bildet


Nach einem gemütlichen Frühstück ging es weiter, vorbei an Beverungen und Höxter (mit Mittagspause in der Fachwerkstadt) und intensiven Überlegungen vor einem Outdoorladen, ob man sich nicht doch noch einen Mini-Espressokocher ins Boot legen sollte (was es alles so gibt…, vielleicht an Weihnachten…). Die Zelte schlugen wir in Heinsen auf (km 89), einem wunderschönen Campingplatz, der von einem engagierten holländischen Ehepaar geführt wird,sehr schön gelegen und ruhig. Die Essensversorgung fand diesmal in Form eines Pizzaservices statt.


Am Mittwoch ging es nach Hameln, mit Rast in Bodenwerder, der Stadt Münchhausens. Nach Stärkung dann gegen Ende der Etappe das erste „Staupaddeln“ vor Hameln (km 134,3). Dort Übernachtung am KC Hameln, der dies vorbildlich kontaktlos mit PIN-Code Zugang zu den Sanitäranlagen organisiert hat, unkompliziert und sehr einfach. Der KC Hameln ist zugleich Zentrum der Drachenbootfahrer, während weniger Stunden am späten Nachmittag trainierten mindestens ein halbes Dutzend Mannschaften. Am Abend eines der Highlights der Tour, Andreas betätigte sich als Stadtführer durch die wunderschöne (und weitläufige) Altstadt Hamelns (das wäre noch einmal einen separaten Besuch, auch tagsüber, wert).


Donnerstag dann die erste Umtragung, die Bootsgasse war zwar wieder repariert und funktionsfähig, wir entschlossen uns aus Sicherheitsgründen jedoch für den Einsatz der Bootswagen (auch wegen der Schaumberge am Auslauf der Bootsgasse). Die 4. Etappe gehörte mit knapp 30 km zu den Kürzeren, am frühen Nachmittag war Rinteln erreicht (km 163) der Rintelner Kanuclub bietet schöne Zeltmöglichkeiten, eine Küche und wir hatten das Glück, dass an diesem Abend die Vereinsgaststätte geöffnet hatte.


Am Freitag dann eine der längeren Touren, jedoch bei bestem Paddelwetter: trocken und Temperatur knapp über 20°C, vorbei an der Porta Westfalica, dem „Tor“ zur norddeutschen Tiefebene, weiter nach Minden (gibt es jetzt bald mal etwas zum Essen?) und dort dann Stärkung im Restaurant Schiffmühle, direkt an der Weser (und sehr empfehlenswert). Nach Minden fing dann das „kontemplative“ Paddeln an, angesichts kaum noch wahrnehmbarer Strömung und dem unvermeidlich aus der falschen Richtung blasenden Wind war die Fähigkeit zur Selbstmotivation zunehmend gefragt. Als dann klar war, dass der Campingplatz Lahde für Tagesgäste nicht mehr zur Verfügung steht und wir 1 km zurück paddeln mussten, wurde dann noch die Frustrationstoleranz am Ende eines doch recht langen Tages bemüht. Aber Paddler finden ja immer wieder zum Humor zurück und nachdem wir unsere Zelte am Schiffsanleger-Petershagen.de (km 213) aufgeschlagen hatten (ein traumhaft gelegener Platz übrigens, allerdings
„jott-we-de“, nach einem guten Abendessen war die Welt wieder endgültig in Ordnung.


Am Samstag wurde gleich zu Beginn der Tour die Bootsgasse am Stauwehr Petershagen benutzt. Die Fliessabschnitte der Weser waren an diesem Tag kurz, dafür hatten wir zwei weitere Stauwehre (Schlüsselburg und Landesbergen) zu überwinden. Vor Schlüsselburg Rast in Heimsen (empfehlenswert: Heimser Hof mit gutem Kuchen und ab nächsten Jahr auch Restaurant, sowie - sehr interessant - auch Zeltmöglichkeit in einer wunderschönen, ruhigen Umgebung). Auf der Fahrt nach Nienburg, dem heutigen Ziel (km 267), war dann wieder Ausdauer gefragt, die stille Landschaft, die zuweilen spiegelglatte Wasseroberfläche, die Wasservögel und die Ruhe generell waren Entschleunigung pur und irgendwie ging es dann auch mit dem Paddeln (noch bis
zur nächsten Kurve, und dann ist es nicht mehr weit…).


Ach ja: der Schiffsverkehr, auf der Oberweser praktisch nicht vorhanden, nahm hinter Minden langsam zu, ab und zu sollte man nach hinten schauen, Innenkurve fahren und Wechsel der Flussseiten zügig durchführen, einmal erinnerte uns ein Tonsignal…

Nienburg erwies sich als durchaus „schwieriger“ Übernachtungsplatz: Corona-bedingt boten sowohl der Kanu- wie auch der Ruderclub keine Übernachtungsmöglichkeiten an, Rettung bot das Naturfreundehaus Nienburg, wo wir im Aussenbereich zelten konnten (immer gut, wenn man Paddelfreunde hat, die wenige Wochen zuvor als Scouts fungierten und wichtige Tipps gaben…).
Nach sechs Fahrtentagen in Folge hatten wir uns den Ruhetag am Sonntag auch redlich verdient: trotz anderslautender Wettervorhersage konnten wir einen ausgedehnten Stadtbummel durch Nienburg machen, im Café abhängen und dann abends im Fernsehraum Abend essen und dem Monsun zuschauen, der auf (aber nicht in) unsere Zelte fiel.


Am Montag morgen wurden die Zelte fast trocken wieder eingepackt - mit dem Wetter hatten wir wirklich unwahrscheinliches Glück - und weiter ging es nach Hoya, eine Staustufe heute (Drakenburg, wir liessen den Schleusenkanal links liegen und paddelten in die Weserschleife). Die Bootsgasse ausser Betrieb, Umtragen war jedoch einfach und am Nachmittag war dann Hoya erreicht (km 298,3). Hier im Prinzip dasselbe Spiel wie in Hameln: Zugang zum Bootshaus mit Pincode, hervorragende Sanitäranlagen, Zelten
vor dem Deich neben dem Motoryachtclub Hoya und in Nachbarschaft zu recht vielen Urlaubern auf Yachten (auf der gesamten Mittelweser gibt es ziemlich viele Marinas, die meistens auch Paddlern zum Zelten offen stehen, die Nähe zum Wasser und „Draussen-sein“ verbindet).


Am Dienstag morgen waren die Zelte morgens noch ziemlich nass vom Morgentau, die Nacht war klar (und bereits recht kühl) gewesen. Am vorletzten Fahrtentag mussten noch die beiden letzten Staustufen vor Bremen überwunden werden: Dörverden, im (linken) Schleusenkanal rechts eine Bootsschleppe (die dann auch ihrem Namen Ehren machte: es werden wohl 500m Umtragestrecke sein, zum Glück gibt es Bootswagen). Last but not least dann Langwedel, diesmal links in den Weserarm und nicht in den Schleusenkanal gefahren, dort dann zur Abwechslung mal eine Umtragung mit einem „Bootstunnel“. Dass wir uns an diesem Stauwehr Zeit für einen Kaffee nahmen, erwies sich als sehr klug, da dieser Fahrtentag aufgrund der langen Stauetappen und der Umtragerei doch zu den anstrengenderen Tagen gehörte.


Unseren vorletzten Übernachtungsplatz fanden wir dann im Motor Yachtclub Achim-Thedinghausen (km 241), mit einem schönen Platz zum Zelten, allerdings nicht weit entfernt von einer ziemlich lärmigen Strassenbrücke (was uns nach ausreichend Bewegung jedoch nicht mehr wirklich stören konnte).


Der letzte Fahrtentag - kurze Strecke zwar, aber erschwert durch teilweise recht heftigen Gegenwind - stand im Zeichen der Zugabfahrt zum Auto Nachholen: irgendwie schafften wir es rechtzeitig zum Weserwehr, an dem uns aufgrund des Niedrigwassers zum Zeitpunkt unserer Ankunft ein sehr „schlickiger“ Einstieg nach dem Wehr erwartete, kurze Trippelschritte, ja nicht
ausrutschen… (einen von uns ereilte beim Ausstieg ein - glücklicherweise folgenloser - Rückensturz, man muss wirklich höllisch aufpassen).
Aber irgendwie kamen wir wieder sicher in die Boote und nach kurzer Zeit kam dann auch schon das Bootshaus der Bremer Kanuwanderer in Sicht, das Ende des Bootssteg befand sich in einiger Entfernung vom Ufer, welches glücklicherweise aus Sand und Kies bestand (am nächsten Morgen, nach 2 Gezeitenwechseln war die Weser wieder „voll“ und man hätte bequem am Steg
aussteigen können, aber über so etwas staunen auch nur die „Landratten“). Karin ´s Nichte brachte uns freundlicherweise zum Bahnhof und wir konnten unseren Plan umsetzen, nämlich die Autos aus Hann. Münden holen.


Am nächsten Morgen dann noch ein letztes gemeinsames Frühstück, Packen und los ging es zurück in die Heimat: eine sehr harmonische, trotz aller körperlicher Anstrengungen erholsame Fahrt mit vielen schönen Naturerlebnissen war zu Ende gegangen. Mal sehen, was als Nächstes kommt…


Detlef Wehle, August 2021


 

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