OSTERN IN SÜDFRANKREICH

 



Über uns zieht ein Bussard seine Kreise. Seine schwarze Silhouette zeichnet sich klar von den weißen Kalkfelsen ab, die die Beaume-Schlucht an beiden Seiten begrenzen. Außer dem Gurgeln des Wassers und dem Rauschen des Windes ist nichts zu hören. Die leuchtenden Farben unserer Kajaks sind bunter Tupfer in einer anscheinend von unsichtbarer Hand aufeinander abgestimmten Farbkomposition:  Blau, Grün, Weiß, Blau. Dazwischen das Schwarz dunkler Höhlen im Fels. Treibholz, das ein Meter über der Wasserlinie vom letzten Hochwasser zeugt.

 


Vor uns liegt eine kleine Stromschnelle, das Wasser zieht direkt auf einen großen Stein zu. Aber es herrscht momentan Niedrigwasser und die Stelle lässt sich mit wenigen Paddelschlägen sicher umfahren.

 

 

Seit einigen Tagen sind wir schon gemeinsam unterwegs und genießen die Zeit unter südlichem Himmel. Mehr als 50 Personen sind dieses Mal dabei. Die Alterspanne beträgt vom jüngsten bis zum Ältesten Teilnehmer sicherlich 70 Jahre. Und doch herrscht große Harmonie, wenn wir uns abends treffen um den nächsten Tag zu besprechen. Jeder findet etwas, was seinen Vorstellungen entspricht.

 

Fabian steht manchmal schon morgens um 7 Uhr mit seinem Spielboot im Regen am Fluss und verstaut Beine und Ball unter Deck. Dann Loops. Loops. Loops.
Andere schlafen bis zehn und kommen gerade erst mit dem Baguette unter dem Arm über den Campingplatz gelaufen, während ein Dutzend bunt gewandete Paddler leuchtend grelle Plastikboote in Peters Liederwagen verstaut und wieder andere größere Gepäckhalden auf Dachgepäckträgern vertäuen. Heute geht es nach Balazuc, wir wollen die obere Ardèche hinunter paddeln. Der leichte Nieselregen hat die meisten nicht von ihrem Plan abbringen können. Es gibt kein falsches Wetter ... nur falsche Kleidung. Die Neoprenanzüge waren ohnehin vom Vortag noch feucht.

 

 

 

Wenig später stehen wir am Fluss. Unter der großen Steinbrücke des verwinkelten Ortes schieben wir die Kajaks vom Sandstrand ins Wasser.  Spaziergänge betrachten die Szene kopfschüttelnd von oben. Fabian macht im Hintergrund Loops. Loops. Loops. In zwei Gruppen beginnen wir unsere Tour.
An einigen Stellen ist erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Aber das Niedrigwasser hat vieles entschärft. Auch der Pädagogen-Schwall wird ohne Kenterung gemeistert. Einige spielen anschließend in der Welle solange, bis nun doch eskimotiert werden muss.

 

 

Aber ganz ohne Risiko sind unsere Touren nicht. Gestern hat sich Fränzel bei einer Kenterung auf der letzten Felsrippe des Mühlen-Schwalls eine hässliche Kopfplatzwunde zugezogen. Als wir danach anlandeten, trieben drei Paddler neben ihren Booten und Fränzels Kopf ragte blutüberströmt aus dem Wasser. Kopfunter war er über die Felsen gerutscht und hatte dort, wo der Helm endete, direkt über dem Auge, eine Verletzung davongetragen. Immerhin klappte die Erstversorgung wie am Schnürchen. Und Fränzel wollte anschließend sogar noch bis zum nahen Zeltplatz weiterpaddeln. Nachmittags haben ihn dann Iris und Heiko zum Nähen ins Krankenhaus gebracht.

 

Dieses Jahr haben wir an zwei Tagen die eigentliche Ardèche -Schlucht durchquert. 25 Kilometer Strecke. Am Ende hieß es paddeln, paddeln, paddeln. 
Mit dem Versetzen der PKWs eine Tagestour. Aber schön. Und zwei Wandergruppen haben die Schlucht auch aus anderer Perspektive erkundet, inklusive kräftezehrenden Auf- und Abstiegen. An einer Stelle musste man sogar auf dem Bauch durch eine Engstelle im Felsen kriechen.

 

 

Ausflüge führten einzelne oder ganze Gruppen auf die Märkte der Umgebung, ans Mittelmeer, nach Aigues Mortes, nach Arles oder zur Krokodilfarm. Es gab viel zu sehen, zu riechen und zu schmecken.
Baguette, Käse, Pastete, Wurst, Fisch ... Cappucino, Orangina ...
Nachmittags war meist Entspannung angesagt, in Grüppchen auf der Wiese liegen und sitzen, essen, plaudern, balancieren auf der Slakline.

 

 

Wir haben die Zeit miteinander genossen. Wie im Flug ging die Woche vorbei. Und wir haben gleich für nächstes Jahr den nächsten Termin festgemacht: 3. bis 10. April 2015. Ardèche!

 

Stefan Wiesner

 

 

 

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