Fahrt an die Ammer an Fronleichnam

Hier endlich der lang ersehnte Bericht von Rike Kickartz!

Am Freitag, den 11. 6. 2009 startete unser Trupp in aller Herrgottsfrühe mit 9 Mann bzw. Frau/Kind. Unsere Mannschaft war ein kunterbuntes Allerlei zwischen 4 und 50 Jahren, bestehend aus Gregor als Bootsführer, Alexander Acht, Veith Nelle, Martin Gröger und seinen Töchtern Lisa und Eva, sowie Familie Kickartz mit Nicoletta, Tim, Sophia und mir (Rike). Zeit zum Kennenlernen blieb zunächst nicht, da wir bei Schauergüssen so schnell wie möglich die Wagen bepackten. Veith hatte

Hier Fotos von Nicoletta.

einen höchst praktischen VW-Bus, in den –man höre und staune- VIER Kajaks passten, was die Packerei sehr erleichterte. Bei der kurzen Wegbesprechung hielten wir uns dicht an die Mauer des Bootshauses gepresst, um nicht nass zu werden. Bei der Abfahrt regnete es also. Unterwegs regnete es.

Als wir ankamen regnete es. Nach dem Wachwerd-Kaffee im Naturfreundehaus… kam die Sonne heraus. Und so blieb es dann auch! In den folgenden drei Tagen schien tagsüber die Sonne und nachts tröpfelte es ein wenig, so dass die Flüsse etwas Wasser bekamen. Kurzum: Wir hatten ein bombiges Kanutenwetter!!!Beim Aufbauen unserer Lager, konnten wir die Örtlichkeiten schon einmal erkunden! Zum Naturfreundehaus gehört ein idyllischer Campingplatz im Wald, wo die Frösche auf der Wiese hopsen und abends Lagerfeuerromantik herrscht. Besonders schön war auch das Gasthaus, wo man morgens ausgiebig und ohne jede Arbeit Frühstücken konnte und abends ein (oder auch zwei) leckere Bierchen bekam.

Kaum angekommen, hatten Tim und Sophia einen Freund mit unaussprechlichen Namen gefunden (Spitzname: Kurbel, echter Name: Pägidien oder so ähnlich…). Von da an wurden köstliche Schlammsuppen gekocht, am Lagerfeuer mit einer Schulklasse Stöcke angekokelt u.s.w. Auf jeden Fall fühlten sich die „Kleinen“ pudelwohl und man bekam recht wenig von ihnen zu sehen.

Die erste Tour ging an die untere Ammer: Der ein oder andere war etwas aufgeregt, weil sowohl Veith als auch ich seit mindestens 10 Jahren kein Wildwasser mehr gefahren waren. Veith fuhr jedoch völlig locker und auch ich wackelte recht tapfer den Fluss herunter. Auch Lisa war nach wenig schönen Erfahrungen bei einer vergangenen Tour zunächst etwas vorsichtig, nahm jedoch alle schwierigen Passagen mit Leichtigkeit und wurde dann schnell sicherer. Überhaupt fuhren wir Mädchen (Lisa, Eva und ich) alle mit viel Spaß und Schwung, zumal wir umgeben waren von lauter Vertrauenserweckenden Männern J. Gregor, Alexander und Veith fuhren die meiste Zeit vorne, wir Mädels folgten und Martin gab uns Rückendeckung. Die Ammer hatte muntere Wellen, war abwechselnd zügig und dann wieder gemütlich und insgesamt genau der richtige Fluss zum Einstieg! Nica und die Kinder erkundeten solange die Natur, wanderten, bewunderten kleine Wasserfälle und spielten am Fluss. Als wir am Ende ankamen, erwarteten sie uns bereits. Und weil das alles so schön war, badeten wir Mädels zum Abschluss im erfrischend kühlen Ammerwasser: Genuss pur!An diesem Abend gönnten wir uns ein deftig-leckeres Abendessen im Gasthaus. Luxuriöserweise hatten wir einen eigenen abgetrennten Raum. Die große Mehrheit bestellte Hammelkeule mit Sauerkraut. Denn erstens hatten wir alle großen Hunger und zweitens mussten wir dann nicht so lange warten, da reger Andrang herrschte. Gregor freute sich besonders, wollte gerade zu essen beginnen, da stellten wir fest, dass er irrtümlicherweise nur eine halbe Frauen-Portion erwischt hatte. Da blieb ihm nicht anderes üblich, als seinen Schmaus fürs erste abzugeben. Tapfer stellte er seine Geduld unter Beweis. Der Wirt und er lieferten sich von da an lebhaft-lustige Wortgefechte J.

 

Am nächsten Tag sollte die obere Ammer mit Einstieg kurz oberhalb der Scheibumm befahren werden. Damit alle einmal fahren konnten, teilten wir die Mannschaft in zwei Gruppen. Zuerst fuhren Gregor, Veith, Martin, Nica, Eva und Lisa. Alexander opferte sich netterweise auf und blieb bei mir mit den Kindern. Wir warteten an der Scheibumm, die ich zum ersten Mal bewundern durfte. Ich fand sie wunderschön mit den hohen Felsen, der quer verblockten xx und dem glasklaren Wasser. Sophia, die sonst nichts erschüttert, war diese Stelle hingegen überhaupt nicht geheuer. Interessanterweise wollte sie nicht zu ihrer Tante, sondern bevorzugte es bei Alexander auf dem Arm zu thronen. Dann lauerten wir mit Kamera im Anschlag, um schöne Fotos von unseren Kanuten zu machen und falls nötig jemanden aus dem Wasser zu fischen. Wir brauchten uns keine Sorgen machen. Alle meisterten die Scheibumm und gelangten wohlbehalten in das schützende Kehrwasser. Im weiteren Verlauf hatte die Ammer einen guten Zug und es gab immer wieder „wilde Stromschnellen“; einige Male sicherten Gregor und Veith, da die Stellen durchaus anspruchsvoll waren. An einigen Stellen bestand die Schwierigkeit auch darin, dass der  Wasserstand so knapp war, dass man ordentlich über die Steine schrubben musste. Anschließend wurde immer wieder angenehm ruhig, so dass man sich entspannen und die schöne Landschaft genießen konnte. Die beiden Mädchen, die vorher ordentlich Herzklopfen hatten, fuhren geschickt die Scheibumm wie auch alle anderen schwierigen Stelle hinab. Überhaupt zeigten die beiden sich als sehr souveräne Kanuten, die Steine geschickt umschifften und jedes Kehrwasser erwischten. Nur an einer Stromschnelle lauerte ein gehässiger Stein, der Eva zum Kippen brachte. Sie behielt jedoch einen kühlen Kopf und setzte sogar zur Kenterrolle an. Da ihr Boot jedoch ein Dickkopf ist, bootete sie schließlich aus und wurde von den Männern heraus gefischt. Da sich Eva jedoch nicht so schnell unterkriegen lässt (meinem Eindruck nach), nahm sie ihren Schwimmer sehr gelassen und kam unten mit einem breiten Grinsen an. Die zweite Gruppe bestand aus vier Personen. Dazu gehörte Alexander, der inzwischen geduldig mit uns Brücken gebaut, spazieren gegangen und am Fluss Figuren gebaut hatte. Gregor und Martin waren unverwüstlich und fuhren die obere Ammer sogar noch ein zweites Mal. Vielleicht als Dank dafür, dass die Männer dieses Arrangement mitmachten, bescherte Neptun J uns noch ein besonderes Highlight! Denn noch während wir fuhren, erfolgte der Wasserablass vom E-Werk! Und der kam genau in der rechten Sekunde bei uns an!!! Ich fuhr mit klopfendem Herzen hinter Alexander und Veith her. Denn vor der Scheibumm hatte ich großen Respekt und wollte auf jeden Fall den richten Moment erwischen, um links über die Steine zu schrubben und dann sicher durch die Steinlücke fahren zu können. Urplötzlich jedoch bekam ich einen Schub nach vorn, zischte an Alex und Veith vorbei und mitten in die Scheibumm hinein. Nicoletta hat den Moment mit der Kamera genau fest gehalten. Ich befolgte den Rat, das Boot –was Klippe, was Stein- einfach nur gerade auszuhalten. Normalerweise wäre ich so voll auf die quer liegenden Steine geknallt. Doch durch die wundersame Welle von hinten wurde das Boot geradewegs über die Steine gehoben und ich flog förmlich über die Stelle hinüber. Allerdings wurde ich vor Begeisterung etwas unvorsichtig…  und erwischte promt einen kleinen Stein, kippte und schwamm kurz darauf in die sichere Bucht. Danach verlief die Fahrt wenig problematisch, aber weiterhin recht interessant, weil wir phasenweise immer wieder Wasserschwälle von hinten bekamen, die uns vorantrieben. Eine Gruppe, die nur eine halbe Stunde vor uns fuhr, bekam von diesem Genuss nichts mit, wir hingegen hatten unseren Spaß!An diesem zweiten Abend zischten die Männer genüsslich ein kühles Bier, während die Frauen (plus Tim) ein Lagerfeuer machten, Ravioli futterten und es uns gemütlich machten. Später fanden sich dann alle am Lagerfeuer ein und quatschten bis in die Nacht hinein, bis die Kinder auf den Armen einschliefen.Am Samstag fuhren wir nach einem letzten ausgiebigen Frühstück über die österreichische Grenze gen Gamisch-Patenkirchen an die Isar. Wetter und Landschaft waren ein Traum! Strahlender Sonnenschein, hohe Berge mit Schnee auf den Wipfeln, echt bayrische Alpenhütten. Beste Bedingungen also! Die Kinder und ich blieben diesmal von vorneherein außen vor, weil die Isar doch ein gutes Stück zu schwer für mich schien. Wir fuhren mit dem Auto zu einem Almgasthaus. Dort fanden wir eine paradiesische Bucht, wo uns die Zeit wie im Fluge verging. Während dessen fuhren die anderen mit dem Kanu-Taxi auf schmalen Sträßchen noch höher in die Berge. Die etwas abenteuerliche Fahrt lohnte sich: Die Einstiegstelle lag in einem idyllischen Tal, durch das sich die Isar mit gletscher-blauem, 8 Grad warmen Wasser schlängelte. Im Gegensatz zur Ammer gab es hier keine entspannenden Wanderflussstellen mehr, sondern der Fluss schoss von oben bis zum Schluss mit kleineren und größeren Stromschnellen ins Tal. Zwischen durch erwarteten unseren Trupp eine herrliche Schlucht mit hohen weißen Felsen, eine tolle Naturstufe und jede Menge Stellen mit viel Schuss. Unten angekommen, strahlten die beiden Mädchen und die anderen waren so begeistert, dass Alexander, Martin und Veith noch mal fahren wollten! Der ursprüngliche Plan wurde also spontan geschmissen. Und weil die Mädels so euphorisch waren, wollte auch ich die Tour gerne wagen. Gregor war so lieb und kam dann auch nochmal mit! Ehrlich gesagt, war mir schon ziemlich mulmig zu Mute, als wir immer und immer höher fuhren. Nicht nur ich rechnete felsenfest damit, ein-, zweimal zu schwimmen. Aber ich hatte großes Vertrauen in die flusserprobten Männer und mehr als nass werden, konnte man ja ohnhin nicht. Es war Adrenalin pur, den Fluss hinunter zu fahren und ich wackelte auch einige Male kräftig, aber entgegen allen Erwartungen kenterte ich dieses Mal nicht J!!! Allerdings musste ich mal wieder feststellen, dass es doch recht praktisch ist, nicht nur geradeaus, sondern auch ins Kehrwasser fahren zu können. Auf diese Weise kamen wir zumindest einmalig schnell voran! Für die anderen war es eine interessante Erfahrung, den Fluss zum zweiten Mal zu fahren, da sie ihn so ganz anderes erleben konnten.

 

Am Naturfreundehaus packten wir zügig die Autos und beschlossen dann die gemeinsamen Tage mit einem gemütlichen Abendessen bei unserem Wirt. Bei leckeren Snacks und kühlenden Getränken ließen wir die Erlebnisse noch einmal Revue passieren. Im Hintergrund bestritten zwei kleine Kinder das Abendprogramm, in dem sie mit lautem Getöse mit ihren Spielzeugrasenmähern über den Rasen pflügten. Da konnten die Frösche nur flüchten! Tim und Sophia verschliefen dies völlig erschöpft im Auto.  Ein Resumé: Die Flüsse waren herrlich zu befahren (ich denke, es war auch vom Schwierigkeitsgrad für jeden etwas dabei), das Wetter war optimal, es haben sich alle gut verstanden und wir hatten jede Menge Spaß. Also eine rundum gelungene Tour!
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